Meisterpianist Grigory Sokolov

Meisterpianist


Meisterpianist Grigory Sokolov und sein souveränes Streben nach Vollkommenheit

Er ist ein unerbittlicher Forscher auf der ewigen Suche nach Vollkommenheit! Dies beschreibt das Porträt eines Musikers, der bei aller Perfektion trotzdem ein aufrichtiger und gelassener Mann geblieben ist.

Künstler wie er sind beseelt von einer Sehnsucht nach der absoluten Erkenntnis. Er ist strebend bemüht, sein Instrument stets technisch zu beherrschen und treibt nicht selten die Leistung auf die Spitze des Machbaren.


Perfektion durch Leichtigkeit und Aufrichtigkeit

Der 1950 in St. Petersburg geborene Grigory Sokolov wird von seiner wachsenden Fangemeinde längst als einer der größten Meister des Klavierspiels verehrt. Der Künstler hat mittlerweile eine Souveränität erreicht, von der viele andere nur träumen dürfen. Seinem Platz an der Spitze hat er es unter anderem zu verdanken, dass er seine Programme nicht Jahre im Voraus festlegen muss, denn wer Grigory Sokolov bucht, der weiß, dass der Maestro immer kurzfristig bekannt gibt, was er spielen wird. Diese Freiheit kann sich sonst kaum einer erlauben.

Uneitel und ehrlich – seine neuen Programme

Arroganz oder Eitelkeit liegen dem Pianisten fern, denn er zeigt immer gerne die Werke, zu denen er sich zum aktuellen Zeitpunkt berufen fühlt. Seine Konzertankündigungen werden bereits seit vielen Jahren immer wieder von den gleichen Fotos geziert, denn er hat es nicht nötig, Marketing-Profis zu engagieren.

Für sein Recital in der Philharmonie konfrontiert der Pianist nun Bach mit Schubert und Beethoven, womit der Russe einmal mehr beweist, wie leicht es ihm fällt, mannigfaltige musikalische Charaktere zu wirklich lebenden Gestalten werden zu lassen. Ob sein Zugriff auf Bach deshalb romantisch ist? Sokolov stattet die bekannten Musikstücke mit kulinarischen Klängen aus und versucht erst gar nicht, auf seinem modernen Flügel die Trockenheit des Ursprungsinstruments wiederherzustellen. Bach zelebriert er gerne mit einer orchestralen Üppigkeit, er animiert die Einzelstimmen mit viel Schalk in den Fingern und maximaler farblicher wie dynamischer Flexibilität. Und Schuberts doppelgesichtige Stimmungsumschwünge könnten wohl kaum in besseren Händen sein, als in denen von Grigory Sokolov – einem risikofreudigen Grenzgängers, einem Forscher nach Vollkommenheit!