Die Bratsche und der Instrumentenbauer im 21. Jahrhundert

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Die Bratsche und der Beruf des Instrumentenbauers wurden lange Zeit verkannt. So stand die Bratsche lange im Schatten des Cellos und der Geige, was sich heute geändert hat, weil dem Instrumentenbauer heute mehr technische Möglichkeiten zur Herstellung zur Verfügung stehen. Der Instrumentenbauer steht vor großen handwerklichen Herausforderungen, weil auch die Ansprüche der Konsumenten an die Bratsche gestiegen sind. Der Bratschenbau ist relativ kompliziert, denn es gibt keinen allgemeinen gültiges Vorbild einer Bratsche, wie dies beispielsweise bei alten Meistergeigen der Fall ist, die wesentlich leichter nachzubauen sind.

Problematisch ist, dass nur sehr wenige alte Instrumente erhalten geblieben sind und dass diese von unterschiedlicher Größe sind. So orientiert sich mancher Instrumentenbauer hinsichtlich des Klangideals und der Bauart an erhalten gebliebenen Meisterinstrumenten von Stradivari, Maggini, Salò, Amati und Guarneri. Andere Instrumentenbauer setzen auf eigene Entwürfe und experimentieren.


Sind Neubauten besser als die Instrumente der alten Meister?

Die Instrumentenbauer, die wir interviewt haben, sind sich einig: Weil das heutige Fachwissen und die Materialkenntnis der Instrumentenbauer groß ist, müssen sich die heutigen Instrumente nicht vor den hochwertigen Meisterinstrumenten der früheren Jahrhunderte verstecken. Dennoch gibt es einen Qualitätsunterschied, der nicht von der Hand zu weisen ist. Denn das Holz der gut gepflegten, alten Instrumente konnte sich über einen Zeitraum von ca. 300 Jahren bestens entwickeln und reifen, wodurch ein runder und warmer Ton wahrzunehmen ist. Bratschen aus “jungem Holz” klingen häufig noch etwas zu direkt, trockenen und roh. Die Klangsubstanz einer Bratsche lässt sich aber optimieren und entwickeln, indem sie nachhaltig eingespielt und intensiv genutzt wird. Die Vorzüge einer neuen Bratsche sind, dass das gesunde, junge Holz keine Schäden wie beispielsweise Risse, Wurmfraß oder Verformungen aufweist, wie dies bei Instrumenten, die gealtert sind, häufig der Fall ist.

Hohe Qualität hat ihren Preis.

So ist eine hochwertige Bratsche eine gute Geldanlage. Dies setzt den Instrumentenbauer vor Herausforderungen, denn er befindet sich ständig im Zwiespalt zwischen den tatsächlichen handwerklichen Möglichkeiten und den Vorstellungen eines anspruchsvollen Musikers. Aber auch der Musiker ist gefordert: er muss die Persönlichkeit und Eigenart eines jeden Instruments im Spiel erfühlen und erkennen. Auch muss er einschätzen können, wie sein Instrument in unterschiedlicher Umgebung klingt.